Klimaforschung erleben: Wie UX-Design die Satellitendaten der ESA greifbar macht
Redesign der ESA-Plattform „Climate from Space“: Ubilabs macht hochkomplexe Erderkundungsdaten durch interaktives, digitales Storytelling zugänglich
Satellitendaten der Klimaforschung sind hochkomplex und für Laien schwer zu interpretieren. Für die European Space Agency (ESA) übersetzt Ubilabs diese Datenströme in ein greifbares digitales Erlebnis. Das Redesign der Webanwendung „Climate from Space“ zeigt, wie nutzerzentriertes UX-Design, performante 3D-Navigation und interaktives Scrollytelling abstrakte Wissenschaft für die Allgemeinheit verständlich machen.
Vom Datensatz zur Geschichte: Das Redesign der “Climate from Space”-Plattform
„Climate from Space“ ist eine interaktive Web-Plattform der ESA, die Klimavariablen aus jahrzehntelanger Satellitenmessung visualisiert. Da sich die technologischen Möglichkeiten seit dem Launch der Plattform weiterentwickelt hatten, wurde ein Redesign initiiert. Das Ziel war es, die Anwendung optimal auf mobile Nutzungsgewohnheiten auszurichten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über modernes, digitales Storytelling zu vermitteln. Um diese Vision in die Tat umzusetzen, dachten wir die passenden Formate, Features und technologischen Möglichkeiten von Grund auf neu.
Mit einem konsequenten Mobile-First-Ansatz wurden schließlich z. B. lange Texte in kurze, visuell begleitete Abschnitte zerlegt. Sogenannte „Image Stories“ nutzen interaktive Slider, die gravierende Umweltveränderungen wie den Rückgang von Waldflächen im Vorher-Nachher-Vergleich durch einfaches Scrollen direkt sichtbar machen.
Da für das Projekt kein klassisches CMS zur Verfügung stand, entwickelten wir eine schlanke Hintergrundlösung: Ein maßgeschneidertes Tool konvertiert redaktionelle Excel-Daten automatisch in JSON-Dateien, um neue Geschichten flexibel direkt in den Code einzubinden.
Intuitive Wege um die Welt: Globus-basierte Navigation
Das Herzstück der Anwendung ist der von uns entwickelte, interaktive 3D-Globus, um den die Hauptnavigation aufgebaut ist.
Die größte technische Herausforderung war dabei die Darstellung der historischen Daten. Riesige Datensätze wie diese bremsen oft die Performance aus. In unserer Lösung lädt ein intelligenter Caching-Algorithmus die Daten ressourcenschonend in kleinen Kacheln nach und smarte Überblendungen sorgen für flüssige, filmähnliche Übergänge zwischen den Jahrzehnten. Die Implementierung ist so effizient, dass sogar mehrere Globen synchron gerendert werden können, um verschiedene Klimadatensätze direkt miteinander zu vergleichen.
Ein Blick hinter die Kulissen: Die „Earth Energy Imbalance“-Story
Wie intensiv Design und Web-Technologie ineinandergreifen, zeigt die Earth Energy Imbalance (EEI) Story, entwickelt in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem MOTECUSOMA-Projekt. Das Thema der Story ist das energetische Ungleichgewicht der Erde; also die Tatsache, dass der Planet kontinuierlich mehr Energie aufnimmt, als er wieder abgibt.
Um den abstrakten Wert von rund 1,4 Watt pro Quadratmeter greifbar zu machen, übersetzt die Story die Daten in ein alltägliches Bild. Per Scrollytelling steuert ein flüssiger Kamerazoom die Erdoberfläche an, während eine kontinuierlich hochlaufende Zahl anzeigt, wie viele Kessel Wasser seit dem Öffnen der Seite rein rechnerisch durch diese überschüssige Energie zum Kochen gebracht worden wären.
Technisch basiert das nahtlose Scroll-Erlebnis auf der Animationsbibliothek Motion. Für die schnelle Abstimmung mit der ESA setzte Ubilabs auf agiles Prototyping: Ein funktionaler Code-Prototyp in AI Studio klärte die Mechanik noch vor der finalen Designphase. Zudem wurden komplexe wissenschaftliche GeoTIFF-Daten in performante PNGs konvertiert und als präzise 4K-Datenlayer über den Globus gelegt.
Präzision im Detail: Der High-Resolution Land Cover Layer
Klassische globale Übersichtskarten bieten oft nur eine Auflösung von 100 Metern und übersehen kleinräumige Veränderungen. Das High Resolution Land Cover Projekt zeigt die technologische Stärke des Frameworks: Es visualisiert Earth-Observation-Daten mit einer Detailtiefe von bis zu 10 Metern.
Dadurch werden lokale Abholzungen, urbane Ausdehnungen oder landwirtschaftliche Verschiebungen exakt sichtbar. Vorerst auf drei Schlüsselregionen (Amazonas, Afrika, Sibirien) fokussiert, liefert dieser hochaufgelöste Layer die präzise Datengrundlage für wissenschaftliche Studien zur Klimaanpassung und für internationale Klimaberichte.
Kontinuierliche Evolution
Die gemeinsame Reise mit der ESA wird stetig fortgeführt. Als nächster wichtiger Meilenstein ist die Modernisierung der Graphen und Diagramme in den Stories geplant. Bisherige statische 2D-Graphen werden dabei durch interaktive Visualisierungen ersetzt, die sich nahtlos in die jeweilige Storyline einfügen. So lassen sich zeitliche Datenreihen künftig noch vielseitiger auswerten, was tiefere Einblicke in historische Entwicklungen ermöglicht. Das Projekt beweist schon heute, wie modernes UX-Design und innovative Datenvisualisierung komplexe wissenschaftliche Muster in verständliche Geschichten verwandeln.
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